Kategorie: Eduardus-Krankenhaus Pressemitteilungen
Mission Misrata
Dr. med. Yousef Adam setzt sich in Libyen für Kriegsverletzte ein.
Täglich bis zu 100 Schwer- und Leichtverletzte behandelt Dr. med. Yousef Adam mit seinem Team in der Poliklinik von Misrata in Libyen. Je nachdem, ob in der Nähe gerade Kämpfe stattfinden, können es auch bis zu 150 Patienten pro Tag werden. Das bedeutet dann für alle Teams „Non-Stop“ durcharbeiten.
Dr. med. Yousef Adam ist Stipendiat des Staates Libyen und absolviert seine Ausbildung zum Facharzt in Deutschland. Seit Mai 2009 ist er im Eduardus-Krankenhaus in Köln. Dort hat er schon mehrere Abteilungen des Hauses durchlaufen und arbeitet seit dem Frühjahr 2011 in der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie.
Die politischen Krisen und Kämpfe in Libyen hat Yousef Adam aufmerksam verfolgt. Er ist in Misrata aufgewachsen, hat an der Universität studiert und anschließend in der Poliklinik gearbeitet. Mit seiner Familie, seinen Freunden und ehemaligen Kollegen steht er in engem Kontakt und weiß daher genau wie sehr dort Ärzte und Helfer gebraucht werden, um den Opfern des politischen Umbruches zu helfen.
Im Frühjahr 2011 beschließt Yousef Adam, seinen gesamten Jahresurlaub zu nutzen, um nach Libyen zu reisen. Er finanziert seine drei Tage lange Reise per Flieger und Schiff selber. Bis Malta reist er mit dem Flugzeug. Von dort bringt ihn ein Schiff nach 23 Stunden in den Heimathafen von Misrata. Im Gepäck hat er Medikamente und Verbandszeug, die er mit Unterstützung von lybischen Kollegen aus eigener Tasche bezahlt hat.
„Ich fühle mich meinem Land sehr verbunden. Meine Familie und Freunde in Misrata haben mich immer unterstützt. Ich möchte meinen Landsleuten gerne in den schweren Zeiten des Krieges beistehen. Ich weiß, dass in libyschen Krankenhäusern jede Hilfe dringend gebraucht wird.”
24 Stunden Dienst und 24 Stunden Pause – so sieht der „Urlaub” von Yousef Adam in Misrata aus. Zwei Ärzteteams arbeiten immer abwechselnd, entweder im Operationssaal oder auf der Station. Und das auch nur, solange die Kampfhandlungen den Strom der Verletzten nicht ansteigen lassen. Wenn das geschieht, müssen alle vier Teams gleichzeitig ran.
„Am schlimmsten sind die Amputationen bei Kindern oder jungen Menschen. Das verfolgt mich bis in den Schlaf. Nie werde ich meine erste Amputation eines Fußes bei einem jungen Mann vergessen. Ich konnte sein Leben nicht anders retten, jedoch fühlte ich mich dabei irgendwie schuldig.” erinnert sich Yousef Adam. Und weiter: „Eines Nachts gegen drei Uhr morgens, während ich operierte, hörten wir einen lauten Knall. Wir wussten eine Bombe hatte in direkter Nähe des Krankenhauses eingeschlagen und wir wussten sie hätte uns treffen können. Was wir nicht wussten, war, ob und wo die nächste einschlagen würde...!”
Eine Stunde später liegen die Opfer auf dem Tisch. Es gibt viele Verletzte und auch zwei Menschen, denen nicht geholfen werden kann. Die Bombe hat in ein ca. 900 m vom Krankenhaus entferntes Haus eingeschlagen. Es sind Zivilisten – Familien mit Kindern.
Nach seiner Rückkehr nach Köln ins Eduardus-Krankenhaus hat Yousef Adam keine Zeit die Eindrücke seines „Urlaubseinsatzes“ zu verarbeiten – auch hier muss er direkt wieder an den OP-Tisch. Patienten gibt es eben überall und sie können nicht warten. Die in seiner Heimat gemachten Erlebnisse prägen den jungen Arzt, sie lassen ihn nachdenklich und auch dankbar für das eigene Leben werden. Yousef Adam wird nach bestandener Facharzt- prüfung in Deutschland wieder in seine Heimat zurückkehren, um dort als Arzt den Menschen zu helfen.
Prof. Dr. med. Axel Jubel, Chefarzt der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie und somit auch Chef des engagierten jungen Arztes, spricht aus was die Kollegen denken: „Wir freuen uns sehr, einen so teamorientierten und hilfsbereiten jungen Mann in unserer Abteilung auszubilden.” und mit einem Schmunzeln fügt er hinzu: „Ich hoffe das ist ansteckend! Und zwar für alle, die im Eduardus-Krankenhaus arbeiten!”
Das Eduardus-Krankenhaus hat beschlossen, verstärkt libysche Patienten aufzunehmen, um wenigstens einen kleinen Beitrag zu mehr Anteilnahme an den Geschehnissen in der Welt zu leisten.
Dazu wurde bereits Kontakt zu einer Organisation aufgenommen, die in Zusammenarbeit mit der Übergangsregierung von Abdel Rahim el Kib Patienten medizinische Behandlungen in Deutschland ermöglicht. Die ersten beiden Patienten sind bereits da und werden im Eduardus-Krankenhaus versorgt.





