21.03.17 12:48 Alter: 97 days
Kategorie: Eduardus-Krankenhaus Pressemitteilungen
21.03.17

Empathie ist Basis für Fachkompetenz

Renate Herkert feiert ihr 40-jähriges Jubiläum in der Pflege im Eduardus-Krankenhaus


Renate Herkert - 40 Jahre Pflege im Eduardus-Krankenhaus

Immer weniger Menschen widmen heutzutage ihre Arbeitskraft und ihr Fachwissen nur einem einzigen Arbeitgeber. Renate Herkert ist eine dieser wenigen. Seit 40 Jahren begleitet sie das Eduardus-Krankenhaus auf seinem Weg vom orthopädisch-unfallchirurgisch geprägten Haus zum modernen medizinischen Zentrum mit breitem aufgestelltem Leistungsspektrum. Ein halbes Menschenleben lang hat Renate Herkert die Geschicke des Krankenhauses mitgestaltet und unterstützt. Die Tiefe ihrer pflegerischen und menschlichen Erfahrungen zeigt sich jeden Tag aufs Neue.

Schon früh stand für Renate Herkert fest: „Ich möchte Kinderkrankenschwester werden!" Vor 40 Jahren wurde ihr Traum wahr. Ihre Wunschkarriere begann sie 1977 im Eduardus-Krankenhaus. Damals gab es im Eduardus-Krankenhaus neben den Abteilungen für Innere Medizin, Augenheilkunde und Chirurgie eine große Orthopädische Klinik. Diese Klinik umfasste das gesamte orthopädische und unfallchirurgische Spektrum samt Krankengymnastik, Bäderabteilung und Ergotherapie.  Außerdem führte diese orthopädische Klinik eine Kinderstation, in der bis zu 80 Kinder betreut werden konnten. Die Krankheitsbilder der kleinen Patienten reichten von einfachen Knochenbrüchen bis hin zu komplizierten Defekten am Skelettapparat. Auch conterganbedingte Missbildungen bei Kindern wurden damals im Eduardus-Krankenhaus behandelt. Die Kinderstation war mit ca. 200 qm eine der größten des Hauses. Im 1. OG, dort wo jetzt die Klinik für Allgemeine Orthopädie und Rheumatologie sowie die plastische Chirurgie Dr. med. Erdmann ihre Räumlichkeiten haben, wurden Kinder mit orthopädischen Krankheiten oft monate- oder sogar jahrelang betreut. Die damaligen Therapiemöglichkeiten unterschieden sich deutlich von den heutigen modernen Methoden. Bei sehr komplizierten Behandlungen erforderten die kindlichen Wachstumsphasen eine wiederholte Anpassung der Therapie an das individuelle Wachstum der Kinder. Die Kinderstation war daher auf einen längeren Aufenthalt ausgerichtet, denn die Kinder sollten sich zuhause und geborgen fühlen können: "Medizinische Kompetenz in Verbindung mit Zuwendung und Empathie machen den Heilungserfolg aus!" Diese Erkenntnis ist zeitlos und gilt für Kinder genauso wie für Erwachsene. Renate Herkert erinnert sich: „Wir waren damals für die Kinder feste Bezugspersonen. Neben der Aufgabe als fachlich kompetente Kinderkrankenschwester waren wir ebenso Ersatzmutter, Spielkamerad, Animateur, Kreativ-Coach und Vermittler zwischen Arzt und Kind." Viel Platz, ein Spielzimmer und einen Spielplatz im Park, eine kleine Theaterbühne, einen Kindergarten und sogar eine Schule gab es auf der Kinderstation. Die kleine Schule beschäftigte eine Lehrkraft und eine Rektorin.
 
 „Morgens früh haben wir die Kinder für die Schule fertig gemacht, wir haben uns die Schulsorgen angehört und uns bei Noten gefreut oder mit gelitten – so wie im normalen Leben“, erzählt Renate Herkert, „kein Wunder, dass uns die Kinder sehr ans Herz wuchsen." Ein wenig wehmütig erinnert sie sich an Abdullah aus der Türkei. Er wurde ohne Unterschenkelknochen geboren und kam mit 1 ½ Jahren auf die Kinderstation des Eduardus-Krankenhauses. Im Bein des Jungen waren das Kniegelenk und das Sprunggelenk nur durch Muskulatur miteinander verbunden. Prof. Dr. Eckhard Hertel, Chefarzt  der  Klinik für Orthopädie und sein Oberarzt,  Dr. Etienne Heijens, hatten es sich zur Aufgabe gemacht, das Knochenwachstum zwischen Kniegelenk und Sprunggelenk mit der damals neuen Ilisarow- Methode anzuregen. Mit dem Ilisarow-Apparat, einem Fixateur, der vom Knie bis zum Fuß reichte, wurde der Unterschenkelknochen buchstäblich „herangezüchtet“. Jeden Tag musste der Fixateur über zwei Schrauben individuell auf das Wachstum des Jungen eingestellt werden.

Da sich die Eltern des Jungen die entsprechende Pflege nicht leisten konnten und natürlich auch nicht jeden Tag ins Krankenhaus fahren konnten, wurde Abdullah der persönliche Schützling von Renate Herkert. Fast wie bei einem Sohn kümmerte sie sich darum, dass er sprechen lernte, sie machte Ausflüge mit ihm und konnte ihn mit Genehmigung des damaligen Verwaltungsleiters sogar bei sich zu Hause betreuen. Oberstes Ziel war, das Abdullah so geborgen und so normal aufwachsen konnte, wie es trotz seiner Behandlung eben möglich war. „Er liebte es, Eis essen zu gehen und er hatte eine Vorliebe für Parfums. Er war ganz verrückt nach den verschiedenen Düften, die es in der Parfumerie in Deutz auf dem Gotenring damals zu kaufen gab", lächelt Renate Herkert.  Und etwas ernster ergänzt sie: "All dieser persönliche Einsatz ist heute gar nicht mehr möglich - diese menschliche Freiheit mit der wir unsere fachliche Kompetenz untermauern konnten – dafür haben wir heute leider weder Zeit noch Geld. Das ist schade, denn die Fähigkeit zur Empathie, die wir durch unsere Arbeit trainierten, kam uns allen zugute. Es förderte das Miteinander und erzeugte ein kollegiales Betriebsklima im ganzen Haus."

Als Abdullah mit 9 Jahren aus dem Eduardus-Krankenhaus entlassen wurde, konnte er gehen und Fußball spielen wie andere Jungs auch. Sein nachgewachsener Unterschenkelknochen hat auch dem Wachstumsschub in der Pubertät standgehalten - ebenso hielt der Kontakt zu seiner Krankenschwester und Ersatzmutter lange Jahre stand. Abdullah erlernte einen Beruf und steht heute fest mitten im Leben. 

„Stellen Sie sich mal einen Krankenhausaufenthalt von 7 Jahren einmal vor", kommt  Renate Herkert noch einmal auf die stark veränderten Bedingungen in Krankenhäusern zu sprechen, „heutzutage sind 7 Tage schon lang. Kaum haben wir einen Menschen auf der Station kennengelernt, ist er schon wieder entlassen. Der wachsende Fallzahlendruck in der Krankenhäusern, die steigende Arbeitsbelastung  für das Pflegepersonal und die Ärzte machen uns zu schaffen. Wir sind einem ständigen Arbeitsdruck ausgesetzt und können uns in Stresssituationen kaum selber mehr wahrnehmen. Wie sollen wir dann die Bedürfnisse der Patienten und Kollegen noch wahrnehmen? Kein Wunder, dass Verständnis, Empathie und das Wir-Gefühl verloren gehen. Das Gesundheitswesen, die Forschung und die Pharmaindustrie haben tolle und wichtige Fortschritte in der Medizin bewirkt. Aber mein Fazit aus 40 Jahren Erfahrung mit Menschen im Krankenhaus lautet:
„Auf Dauer ist moderne Medizin nur mit Menschlichkeit machbar!"

Heute arbeitet Renate Herkert auf der Station 11. Die Station ist der Klinik für Allgemeine Orthopädie und Rheumatologie zugeordnet. Sie und ihre Kollegen betreuen dort pflegerisch die Patienten mit  orthopädischen Krankheiten.  Die Endoprothetik von Hüfte und Knie ist das Spezialgebiet des Eduardus-Krankenhauses. Als EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung wurde die Klinik für Allgemeine Orthopädie und Rheumatologie im Jahr 2016 ausgezeichnet. Renate Herkert ist stolz darauf, mit ihren fachlichen und persönlichen Erfahrungen diese moderne Klinik mit ihren langjährigen orthopädischen Wurzeln zu unterstützen. „Es hat sich sehr viel verändert", Renate Herkert blickt nach vorn, „das Gute nehme ich gerne an. Das Wissen um die heilende Wirkung von Empathie und Zuwendung gebe ich an meine jüngeren Kollegen weiter. Ich wünsche mir, dass das ‚Wirtschaftssystem Krankenhaus' den Faktor Mensch wieder mehr anerkennen lernt. Und wenn es auch nur unter dem Gesichtspunkt der Leistungsoptimierung wäre. Letztlich wissen wir alle, dass Unternehmen, in deren Mittelpunkt der Mensch steht, nur dann erfolgreich sind, wenn der Mensch auch wirklich im Mittelpunkt steht!"